#stay tuned

#stay tuned

Ich trage nun schon lang den Gedanken mit mir herum, wieder meine Gedanken und Gefühle zur aktuellen Situation zu verschriftlichen. In meinem Hirn rumort es. Seit meinem letzten Beitrag zum Thema sind nun 10 Wochen vergangen, es kommt mir aber viel länger vor. Was im Übrigen eine Ausnahme ist. Meistens kommt mir die Zeitspanne viel kürzer vor als sie wirklich ist. Hier nehme ich als Beispiel die Flüchtlingskrise 2015. Das können doch noch keine 5 Jahre her sein, sagt mein Gefühl. Der Kalender sagt etwas Anderes.

Nach dem allgemeinen bisserl Aufatmen nach dem Lockdown und den Annehmlichkeiten vom Sommer ist der Herbst nun schon in Riechweite. Fast wäre ich versucht zu schreiben: „Glücklich ist, wer den Herbst riechen kann, ist er dann doch wahrscheinlich nicht mit Covid19 infiziert.“ Nun, wenn es denn so einfach wäre.

Bild Quelle Pixabay

Die Wissenschaft schläft nicht, glücklicherweise. In dem halben Jahr seit Bekanntwerden der ersten Corona-Infektion in Österreich hat man viel darüber gelernt, aber auch Veränderungen beobachtet.

Waren es zu Beginn vor allem die Alten und Kranken, die hauptsächlich betroffen waren, ist es derzeit die Gruppe der 15- bis 23-Jährigen. Nachdem bei den Jungen die Krankheitsverläufe meist milder sind, gibt es auch weniger Ansturm auf die Krankenhäuser und Intensivstationen. Oft merken die Betroffenen nicht einmal, dass sie krank sind. Aber auch die Verläufe sind unterschiedlich, die Symptome sind bei Weitem nicht so eindeutig wie man es sich vielleicht wünschen würde. Und die Auswirkungen wesentlich umfangreicher und langwieriger als befürchtet.

Es wird wesentlich mehr getestet, es werden neue Cluster gefunden und die Regierung versucht Lösungen für den Herbst und den Umgang mit Corona zu finden. Bald geht die Schule wieder los und so soll es auch bleiben. Einen nochmaligen Lockdown will man jedenfalls verhindern. Mit einer Ampelregelung will man besseren Überblick behalten und auch gezielter reagieren können. Die eine oder andere Reisewarnung wird ausgesprochen. Doch viele bleiben sowieso zumindest im Inland und verzichten heuer auf Meer, Sand und Strand.

Doch was hat das alles mit mir gemacht?

Ich ziehe mich immer noch – oder vielleicht sogar noch mehr – zurück. Es gibt ganz wenige Menschen außerhalb meiner Familie, die ich treffe. Wenn ich meine FreundInnen treffe, genieße ich es nach wie vor und freue mich über den Austausch. Das sei hier einmal festgehalten. Doch ist die innerliche Hürde, die ich dafür nehme, groß. Das kenne ich von mir so nicht.

#stay tuned

Für mich, die ich früher oft an drei bis vier Tagen in der Woche nach dem Büro noch etwas vorhatte, ist dies eine große Änderung. Und „früher“ heißt hier nicht vor 30 Jahren, als ich Anfang der Zwanziger war und sowieso noch voll Energie gestrotzt habe. „Früher“ heißt hier vor zwei Jahren. Ein Treffen mit mir hat nahezu immer mit einem Blick in den Terminkalender geendet. Es wurde gleich ein neuer Termin ausgemacht. Es war kein „Ja, … wir treffen uns wieder!“ und bevor es dazu kam, waren zwei Jahre vergangen. Ein neuer Termin stand im Kalender. Der konnte auch im Bedarfsfall verschoben werden. Aber verschoben! Nicht aufgehoben!

Ich habe nach wie vor die Möglichkeit im Homeoffice zu arbeiten. Zwar ist mehr Anwesenheit im Büro erforderlich als zu Zeiten des Lockdowns, aber mit guter Organisation und der Unterstützung meiner Vorgesetzten darf ich weiterhin zu Hause arbeiten. Wenn ich ins Büro fahre, muss ich jedoch die öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Und das bereitet mir MEGA Stress. Ich hätte das nicht für möglich gehalten. Es sind ja noch Ferien und ich versuche azyklisch zu fahren. Doch bitte wann wäre das? Ich treffe immer mehr Menschen in Bim und Zug, als mir lieb ist.

Eine kleine Reise

Mitte August war ich in Salzburg. Dort habe ich eine Freundin getroffen, das jährliche Mädelstour-Treffen war am Plan. Ich bin mit dem Zug gefahren. Ich hatte einen guten Platz, die Maske – gemäß den Vorschriften – durchgängig auf, aber ich war froh, als ich aussteigen konnte. Der Zug war gut besetzt. Wir haben Wanderungen und Spaziergänge gemacht und sind den Menschenmassen ausgewichen. Soweit es halt ging, wo es knapp wurde, haben wir unsere Masken aufgesetzt.

In der Innenstadt von Salzburg waren wir gar nicht, war doch Festspielzeit und wir haben angenommen, dass sie – wenn auch weniger – doch immer noch ziemlich überlaufen sein wird. So haben wir den Kapuzinerberg erobert, sind zum Mondsee und Attersee gefahren, waren in Hellbrunn und hatten genug Auslauf in der freien Natur. Das Wetter hat es ja gut mit uns gemeint und wir konnten draußen unterwegs sein.

Veränderungen

Es war sehr schön! Doch hat es mir auch die Veränderung bewusst gemacht. Eh wieder einmal. Die Veränderungen auf Grund von Corona sind auch im Alltag immer wieder spürbar. Bei allem Bemühen, wieder Leichtigkeit ins Leben zu bringen, wird man doch auf Schritt und Tritt daran erinnert.

Zum Beispiel bei Besuchen in einem Alters- und Pflegeheim. Meine Kärnten-Aufenthalte verbinde ich meistens mit einem Besuch bei meiner Tante im Altersheim. Früher bin ich hinein gegangen, hab mir die Hände desinfiziert (das gab es schon VOR Corona) und hab mich zu ihr gesetzt. Dieses Mal musste ich ein dreiseitiges Formular ausfüllen, unterschreiben und mich damit verpflichten, wenn ich innerhalb der nächsten 14 Tage gesundheitliche Beschwerden habe, dies jedenfalls zu melden. Bei jedem weiteren Besuch wird eingetragen, wann er stattgefunden hat und es wird wieder eine Unterschrift eingefordert.

#stay tuned

Ich verstehe und unterstütze solche Maßnahmen, helfen sie doch Ansteckungen nachzuverfolgen und somit im Fall des Falles schneller zu reagieren. Aber es macht Bauchweh.

Was, wenn ich infiziert bin und es noch nicht weiß? Wenn ich es weiß, bleib ich zu Hause, das ist klar! Aber … was, wenn ich es noch nicht weiß? Natürlich reagiert man derzeit sensibel auf Husten, Halsweh, auf Fieber sowieso … Aber es ist ja nicht jeder Husten gleich Covid19! Glücklicherweise!

Ich lebe in Wien mit meiner Familie, also nicht allein. Wir sind mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs und auch sonst hin und wieder unter Menschen. Auch wenn es viel weniger ist als vorher. Niemand will sich unter einen Glassturz begeben und gar nicht mehr rausgehen. Wir beachten die Hygiene- und Abstandsregeln, waschen und desinfizieren unsere Hände regelmäßig. Ausreichend lang! Eine Infektion kann man damit aber nicht restlos verhindern. Weiß man doch nicht, ob man unwissentlich Kontakt mit einer infizierten Person hat.

Ich bin verunsichert. Es war damit zu rechnen, dass die Infektionszahlen steigen, wenn der Lockdown aufgehoben ist und die Menschen wieder mehr unterwegs sind. Die Reproduktionszahl war dieser Tage schon wieder auf 1,3. Das verunsichert auch andere. Hätten doch viele gehofft und gemeint, dass die Zahlen erst wieder im Herbst steigen. Ende August ist lt. Kalender noch Sommer befohlen, auch wenn der meteorolische Herbst in den Startlöchern steckt.

Nun, man wird sehen. Die Wissenschaft ist dran, es wird geforscht und entwickelt. Russland hat bereits den ersten Impfstoff zugelassen. Das große Wettrennen um DEN Impfstoff gegen Covid19 ist trotzdem immer noch aufrecht, gibt es doch zu diesem Impfstoff die unterschiedlichsten Meinungen.

Mit meinen Überlegungen, wann ICH mich impfen lasse, bin ich noch lange nicht am Ende. Noch gibt es den Impfstoff bei uns ja noch nicht, aber drüber nachdenken kann ich ja schon. Die Grippe-Impfung hol ich mir. Das ist fix. Ich war im letzten Winter geimpft, hatte keine Probleme und hab den Winter gesund überstanden.

Bis es so weit ist, wird es wohl noch ein wenig dauern. Also … stay tuned.

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