Der Sommer der Turniere – Teil 1

Der Sommer der Turniere – Teil 1

Ich habe im letzten Sommer auf vielen Runden mein Handicap oder besser gespielt. Dass ich mein erklärtes Ziel – die Verbesserung meines Handicaps – im letzten Sommer nicht erreicht habe, ist bekannt.

Mit der Änderung von „Handicap“ auf den „World Handicap Index (WHI)“ ist es nicht gerade leichter geworden, dieses Ziel zu erreichen. Bisher konnte man sich mit einem einzigen Turnier um vieles verbessern. So wie ich von 42 auf 36. Aber … es entspricht ja nicht der Realität, dass man von einem Tag auf den nächsten gleich um so vieles besser spielt, wenn einem eine Superrunde auskommt. Ich finde das neue System gut, spiegelt es doch über einen längeren Zeitraum die tatsächliche Spielstärke wider. Pro Turnier wird das „Score Diffential (SD)“ errechnet. Aus den letzten 20 Turnieren werden die besten 8 SDs zur Berechnung genommen. Der Durchschnitt davon ergibt das aktuelle WHI. Ich starte also mit 36, so wie ich in der letzten Saison aufgehört habe.

Im letzten Jahr habe ich dann zu Saisonschluss einige Turniere gespielt, es hat aber bei leider nur zur Bestätigung der Vorgabe gereicht und nicht zur Verbesserung. Zumal Turniere Wettkampf bedeuten und hier noch mehr als sonst die mentale Verfassung zum Tragen kommt. Golf findet zu 95 % zwischen den Ohren statt, sagt man. Im Turnier sein Handicap zu spielen ist schon ganz gut, zur Verbesserung ist es zu wenig. Zum Golfpro zu gehen ist eine Sache, die mentale Stärke eine andere. Dazu kann ich nur Clint Eastwood zitieren:

„Ich kann nicht genau sagen, was mich am Golf so fasziniert. Immer wenn man das Gefühl hat, jetzt hat man’s raus, macht es einem klar, dass es nicht so ist. Ich bin wohl einfach verrückt genug, weiterhin zu spielen.“

Nun ist also der Weg das Ziel und am Ende des Weges eine andere Zahl. Denn eigentlich ist das ja nicht mehr als eine Zahl. Unterstützung habe ich mir bei meinem Pro geholt und habe mir regelmäßig Prostunden gegönnt.

  • 09-06-2021 / 12-06-2021

Meine ersten Turniere der Saison habe ich in Schwechat gespielt. Diesen Platz mag ich sehr. Für die Afterwork-Turniere ein bisserl blöd zum Erreichen für mich, weil ich da durch ganz Wien und viele Baustellen muss. Hier (Link) nachzulesen. Das Highlight beim ersten Turnier war ein Birdie als Abschluss beim 9. Loch. Das gibt Selbstvertrauen. Und mit 19 Nettopunkten auf der Halbrunde hätte ich mich auch gleich verbessert. Im alten System. Beim zweiten Turnier – das waren 18-Loch – habe ich immerhin mein Handicap gespielt.

Der Sommer der Turniere – Teil 1
  • 17-06-2021

Weiter ging es mit einem Turnier in Spillern. Dieser Platz gehört nicht zu meinen Lieblingsplätzen, trotzdem spiele ich aus verschiedenen Gründen immer wieder dort. An diesem Tag waren wir keine Freunde. Loch Nr. Zwei stellt sich mir oft widerspenstig entgegen. Ich betrachte die Runde als Turnier-Trainingsrunde.

  • 24-06-2021

In Tuttendörfl spiele ich oft, dieser Platz und Tuttenhof sind für mich nach der Arbeit leicht zu erreichen und sehr entspannend zu spielen. Auch an diesem Tag gab es ein Birdie für mich, welches zum Erreichen meines Handicaps wesentlich beigetragen hat. Im neuen System hilft mir auch ein Turnier, wo ich „nur“ mein Handicap erreicht habe, weil damit dann nicht so gute Ergebnisse aus der Durchschnittswertung fallen.

  • 25-06-2021

Also wieder zurück nach Schwechat. Habe ich schon erwähnt, dass mir Schwechat liegt? Wieder eine gute Runde mit 19 Nettopunkten auf der Halbrunde. Ich hatte Glückskäfer in der Tasche – nein, ich bin nicht abergläubisch – aber hilft es nicht, schadet es nicht. Eh schon wissen … Golf findet zwischen den Ohren statt.

  • 01-07-2021

Spillern stand auf dem Plan. Der Anfang war holprig. Glücklicherweise bin ich rechtzeitig weggefahren, weil ich dann blöderweise im Stau gestanden bin. Am Platz war ich trotzdem zeitgerecht, viel einspielen war aber nicht mehr möglich. Gespielt habe ich dann mit zwei ganz jungen Burschen, gemeinsam hatten wir den Altersdurchschnitt von 30. Ganz ungewohnt am Platz haben mich die beiden mit SIE angesprochen, obwohl beim Spiel ja eigentlich das sogenannte Tages-Du gilt. Sie haben untereinander geschnattert wie junge Gänse oder besser gesagt Ganteriche.

Ich hatte einen superschlechten Abschlag. Abschlag – Plopp – der Ball im Hügel davor, keine 5 m geflogen, unauffindbar. Ich war fassungslos, hab mich gesammelt, neu aufgeteet. Der Ball fliegt vom Tee, weil ich mit dem Schläger angekommen bin, ich leg ihn nochmals drauf und hab abgeschlagen. Sensationeller Abschlag, aber mit dem 4. Schlag zu dem Zeitpunkt schaffe ich keine Punkte mehr. Am 2. Loch – ein Par 5 – habe ich immerhin einen Nettopunkt erreicht. Es war ja schon das erste Loch gestrichen, so musste mich Nr. Zwei nicht abwerfen. Ich habe mich gesammelt, konzentriert und ab Loch Nr. Drei ging es super.

Der Sommer der Turniere – Teil 1

Am Ende der Runde habe ich mit 21 Nettopunkten auf den gespielten 9 Löchern geteilten Platz 1 im Nettoergebnis und mich somit klar verbessert. Und dies sogar in echt. Mein neuer WHI nach diesem Turnier 35,6. Saisonziel erreicht.

  • 03-07-2021

Mit diesem Ergebnis und stolzgeschwellter Brust bin ich zur Clubmeisterschaft gefahren. Stolz ist immer ein Fehler im Golf! Gespielt wurde in Spillern. Am Freitag habe ich die Startzeiten angeschaut, mein Mann war um 10:50 h dran, ich um 11:10 h. Bei beiden stand T1. Hat mich zwar gewundert, aber nicht weiter irritiert, war es doch im letzten Jahr bei der Clubmeisterschaft so, dass von T1 im Zählwettspiel und T10 in der Stablefort-Wertung gleichzeitig gestartet wurde. Das ist nicht ungewöhnlich. Also bin ich davon ausgegangen, dass es auch heuer so ist.

Leider nein. Am Platz angekommen stellen wir fest, dass er um 10:40 h abschlägt und ich um 12:40 h, weil dieses Mal nicht gleichzeitig gestartet wurde, sondern alle Flights nacheinander von Tee 1 starten mussten. Die Startreihenfolge am ersten Tag ist streng nach der Vorgabe, also beginnen die Besten. Am zweiten Tag ist die Reihenfolge umgedreht, nach dem Ergebnis des ersten Tages, so, dass die Besten zum Schluss des Turniers vom Beifall der Menge auf Grün Nr. 18 empfangen werden. Daher ist das Grün von Loch Nr. 18 bei den meisten Golfplätzen in Sichtweise zur Terrasse des Restaurants.

Für ein nächstes Mal schreibe ich mir ins Stammbuch, dass ich jedenfalls nochmals überprüfe, ob die Startzeiten stimmen. Ich war also viel zu früh da für meinen Start und habe dann die Zeit irgendwie runtergebogen, hab mich eingespielt und hatte dann aber einen sehr netten Flight mit zwei Damen. Wir haben vielleicht ein wenig zu viel geplaudert, so dass ich mich nicht genug konzentrieren konnte. Dieses Turnier kann man locker mit „Ich hatte schöne Schläge“ zusammenfassen. Und es waren wirklich sehr schöne Schläge dabei, auch Superputts über 5 m direkt ins Loch. Im Endeffekt waren es insgesamt zu viele Schläge und ich buche diese Runde auf das Konto „Übung!“ Mit 27 Nettopunkten kann ich es auch gar nicht anders nennen.

Ich nahm mir vor, zum nächsten Turnier besser vorbereitet zu fahren. Natürlich soll das Golfen hauptsächlich Spaß machen. Natürlich darf man auch plaudern. Zur Erinnerung: Turnier ist ein Wettkampf, den man mit sich und für sich führt. In meiner Spielklasse geht es ja in Wahrheit um nichts als die eigene Ehre und Selbstbestätigung.

  • 04-07-2021

Siehe Datum. Ein Tag später. Und ich war besser vorbereitet! Angefangen damit, dass ich eine Stunde früher aufgestanden bin und einen Kaffee getrunken habe, um – umschreiben wir es – meinen Körper in Schwung zu bringen. Damit nichts drückt, im Gegensatz zu gestern.

Wir waren rechtzeitig am Platz. Routine ist überhaupt sehr wichtig in dem Spiel. Rechtzeitig da zu sein, sich gut einzuspielen oder auch nur ein paar wenige Bälle zu schlagen – wie man es für sich selbst als die beste Routine empfindet. Ein paar Putts, ein paar Chips und schon geht es zum Start.

Dieses Mal hatte ich die frühere Startzeit, war aufgrund meines schlechten Ergebnisses vom Vortag sogar im ersten Flight. Das hat mich gar nicht gestört. Im Gegenteil. Somit hatte ich keine Wartezeit und konnte in meiner Konzentration bleiben. Gespielt habe ich mit zwei Männern.

Eines sollte ich mir auf Turnieren jedenfalls abgewöhnen: Löcher streichen. Und siehe da, es ging tatsächlich besser. Nachdem ich Loch Nr. Zwei gestrichen hatte, konnte ich mich auf das weitere Spiel konzentrieren. Im Endeffekt zeigt sich das im Ergebnis mit immerhin 34 Nettopunkten. Zur weiteren Verbesserung meines WHIs reicht es nicht, doch freue ich mich, dass ich mich mental wieder ausreichend gesammelt hatte, auch wenn es manchmal Situationen gab, die grenzwertig gewesen sind.

  • 08-07-2021

Zur Abwechslung wieder einmal Tuttendörfl. Am Abend davor habe ich hier eine private Runde gespielt mit sagenhaften 22 Nettopunkten auf 9-Loch. Ich will nicht angeben, aber solche Ergebnisse gibt es. Nur blöd, dass ich die meistens außerhalb von Turnierrunden spiele. Denn dieses Afterwork-Turnier habe ich mit Bogie-Bogie-Par begonnen auf den ersten drei Löchern. Das waren schon mal 10 Nettopunkte und schon ratterte es wieder in meinem Kopf, was denn im Endeffekt möglich sein würde. Tjo. Wenn dann auf weiteren 6 Löchern nur mehr 7 Nettopunkte dazu kommen, ist es halt wieder zu wenig. Dabei habe ich ausnahmsweise nicht einmal ein Loch gestrichen.

Was soll ich sagen? Das Ergebnis hat mich richtig runtergezogen. Es ist doch zum Haareraufen! Eigentlich hatte ich vor, am Wochenende gleich nochmals in Schwechat oder Bockfließ ein Turnier zu spielen, habe es dann aber gelassen. Wir haben dann am Samstag eine private Runde in Bockfließ gespielt. Ergebnis? Breiten wir das Tuch des Schweigens drüber.

Vielleicht brauche ich eine Turnierpause.

Ich brauchte dann auch wirklich ein paar Tage, um mich zu sammeln. Vielleicht sollte ich das wie ein Kind angehen? Ein Kind wird Dir nicht erzählen, dass es 10 schlechte Schläge hatte. Ein Kind wird Dir stundenlang von dem EINEN guten Schlag erzählen.

Nun erzähle ich also von meiner Superrunde, die ich in Tuttendörfl gespielt habe.

Der Sommer der Turniere – Teil 1

Ich – Buchhalterin – habe natürlich gerechnet, was es bedeutet hätte, wäre es ein Turnier gewesen. Ja, ja! Das Hätti/Wari! Diese hätte mir ein Score Differential von 28,9 gebracht, was mein WHI auf 34,7 verbessert hätte. Mit dem alten System wäre ich sofort auf 32,1 gewesen. Was eine echt schöne Zahl ist, das muss ich zugeben. Aber auch das ist nur eine Zahl. Wichtig ist,

  • dass die Schläge funktioniert haben,
  • dass es eine total entspannte Runde war,
  • dass ich mich an der Sonne erfreuen konnte,
  • dass ich mit meinem Flightpartner (meinem Mann) gemütlich plaudern konnte, zumal wir oft warten mussten mit dem Vierer-Flight vor uns,
  • dass ich die Konzentration trotzdem nicht verloren habe,
  • dass es ein Erfolgsergebnis mit einem Birdie auf einem Par 4 gab (mein zweites, seit ich spiele),
  • dass ich Bewegung an der frischen Luft gemacht habe und somit auch etwas für mein Wohlbefinden,
  • dass ich Spaß hatte und es mir gut dabei ging!

Es ist einfach ein traumhaftes Gefühl, wenn der Schläger durch den Ball wie durch Butter geht und der Ball fliegt und fliegt und fliegt. Oder wenn man einen Putt aus fünf Metern stopft, der Ball also genau das tut, was man von ihm will. In der Zwischenzeit weiß ich, wie sich das anfühlt!

Der Sommer der Turniere – Teil 1

Nun freue ich mich trotzdem, dass ich in bereits eine Verbesserung geschafft habe. Es mag minimal erscheinen, doch für mich ist es die Bestätigung, dass ich mich kontinuierlich weiter entwickle. Wie gesagt … der Weg ist das Ziel und dieser macht viel Spaß und Freude!

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